de vrouw trijntje

tjalken wurden über jahrhunderte gebaut. durch den geringen tiefgang und die relativ kantige form, aber gleichwohl einer hohen tragfähigkeit, eigneten sich diese Schiffe für den transport auf den kanälen, flüssen und der küste. die hochzeit der stählernen tjalken war zwischen 1870 bis 1905. üblicherweise wurde stückgut mit diesen schiffen, die bis ca. 1922 gebaut wurden, transportiert: kartoffeln, torf zum heizen, zuckerrüben usw. diese handelsgüter wurden meist in die großen städte gebracht und dort direkt vom schiff aus verkauft. Die schiffe dienten somit gleichzeitig als lager und verkaufsfläche, natürlich auch als wohnung für den schiffsführer.

um 1970 verloren die tjalken als frachtschiffe ihre bedeutung und die niederländer bauten sie zu wohnschiffen um. auf den schiffen braucht man - je nach geldbeutel des eigners - auf keinen komfort zu verzichten. die versorgung mit strom und wasser erfolgt über anschlüsse am ufer. durchweg verfügen diese schiffe über eine Ölzentralheizung und mehrere kamine/öfen. kleinere tjalken haben eine wohn-/nutzfläche von rund 80 qm - grössere liegen dann schon bei 120 qm und mehr qm. fernseher, waschmaschine sind standard. eigentlich kein vergleich mehr mit der "guten alten zeit".

das schiff wurde in den letzten jahren als reines wohnschiff genutzt. es hatte kein rigg und befand sich in einen schlechten erhaltungszustand. Positiv allerdings, dass die in der heutigen zeit üblichen umbauten als charter zum glück nicht erfolgten, der ursprüngliche zustand damit weitgehend erhalten geblieben ist. Die vorpiek und die achterkajüte sind in dem alten zustand und werden restauriert. Das äussere erscheinungsbild wird nach alten vorlagen und skizzen wieder hergestellt. begonnen wurde mit dem bau des mastes, des baumes und der wiederherstellung der takelage.

das schiff wurde 1910 in veendam auf der remkes werft als segelschiff gebaut, diente damals als frachtschiff auf binnenwasserstraßen, in der zuiderzee, die damals noch offenes meer war und den küstengewässern. Am 25.7.1910 wurde im messbrief der name "de vrouw trijntje" eingetragen und am 27.8.1941 auf "Trijntje" geändert. am 5.9.1987 wurde die tjalk gem. dem messbrief für binnenfahrzeuge Nr. 17-11 des amsterdamer bÜros unter der nr. an 3344 mit dem namen "olle grieze" registriert. 1958 zog die moderne technik in form eines DAF dieselmotors ein. im akutellen register ist wieder "de vrouw trijntje" eingetragen.
schiffsname de vrouw trijntje
typ groninger boltjalk
länge rumpf 19,96 m
breite rumpf 4,28 m
länge ü. a. 27,0 m
breite ü.a. 4,64 m
tiefgang 0,65 m
höhe mast 12 m
segelfläche 110 qm
baujahr 1910
motor daf 475, 80 ps, 6zyl.
registrierung 3194 b gron 1954
fahrendes monument no. 181

ein wenig technik

das seitenschwert: wie ein luftballon auf dem wasser treibt ist auch ein schiff nur spielball für wind und strömung. um auf kurs zu bleiben, benötigt es einen widerstand im wasser, in der form so etwas ähnliches wie ein brett. der wind drückt das schiff in eine richtung, das brett verhindert nun das wegrutschen. seeleute nennen dieses brett schwert (wenn es beweglich ist) oder kiel (wenn es starr unter dem rumpf hängt). die beweglichen schwerter an der schiffseite haben zwei vorteile: sie lassen sich in der höhe und in richtung zur schiffsmittellinie nach bedarf einstellen und bei flachem wasser sogar ganz hochziehen.


die braunen segel: auch der namensgeber für "die braune flotte", als synonym für alte segelschiffe. die färbung selbst hatte einen einfachen hintergrund: die ärmeren schipper konnten sich nur gebrauchte, schmuddelige Baumwollsegel leisten. die tücher wurden dann mit ochsenblut und anderen naturstoffen dunkelrot gefärbt. die salzige seeluft bleichte und ließ das dunkelrot zur farbe braun werden. übrigens war die verwendung von dunklen tüchern auf den reinen arbeitsschiffen praktischer, man sah den dreck, den schmutz und die schäden nicht so stark.

der pattboden: namensgeber für diesen typ von schiff. je flacher ein schiff gebaut ist, desto grösser die möglichkeit in ufernähe zu gelangen und dort die waren zu beladen und abzuladen. Nur, flache Schiffe sind schlechter zu fahren. im laufe der jahrhunderte wurden jedoch die bootsrümpfe so ausgewogen verfeinert, dass sich segeleigenschaften und funktionalität optimal zueinander verhalten. für den laien oft unmerklich verfügen die unterwassserschiffe über kleine "seitenflossen", leitblechen und profilierungen. und noch ein phyikalisches phänomen machen diese schiffstypen schnell: je länger der rumpf, desto schneller das schiff. daher auch der ausspruch: länge läuft.

der mast: im wahrsten sinn des wortes dreh- und angelpunkt des schiffes, aber dazu später. erst der mast ermöglicht es, die notwendige segelfläche in die höhe zu ziehen damit dem wind genügend angriffsfläche für die erzeugung des vortriebs entgegengesetzt wird. tjalken sind meist mit legbaren masten ausgestattet, die es in der binnenschifffahrt ermöglichen, vor brücken einfach den mast und damit die segel zu legen. der mast steht irgendwo zwischen dem ersten und zweiten drittel des rumpfes. im gelegten zustand sollte er nicht hinten überragen - er misst daher meist circa 2/3 der bootslänge.

die bugform: die niederländer unterscheiden ihre schiffstypen gerne nach der form des buges: spitz, steil, rund ... aber ganz ehrlich, es gibt tausende formen und dann nochmals soviele Wörter. spitze und steile bugformen teilen die welle, bieten aber durch die schlanke rumpfform wenig auftrieb. runde und breite bugformen bewirken, dass das schiff über die welle gleitet. die kantigere rumpfform sorgt darüber hinaus für mehr stauraum im Vergleich zu den spitzen bugformen. der rest ist dann wirklich ästhetik der konstrukteure, unterscheidungsmerkmale der werften ... und weniger von praktischen überlegung geleitet.

ein wenig zum kulturgut

auf die frage, ob sein schiff das beste sei, wird jeder eigner dies natürlich voller überzeugung bestätigen. aber im ernst: es gibt nicht das segelschiff. die gemeinsamkeiten zwischen einem öltanker und der 10m-yacht sind halt sehr gering. die weit überwiegende zahl der heute gebauten segelschiffe sind eigentlich nur kompromisse, entwickelt und geprägt von dem käuferverhalten. faszinierend demgegenüber die high-tech-racer, trimarane und überhaupt neuartige materialien, die in den unterschiedlichsten anwendungen zum einsatz kommen. die entwicklungssprünge in der antriebstechnik und der elektronik tun ein übriges.

in der geschichte gab es sehr sehr viele entwicklungen von schiffstypen, die sich nicht durchsetzten und/oder nur wenige jahrzehnte im einsatz waren, so zum beispiel die rahsegler. andere wiederum lassen sich über jahrhunderte in ihren grundlegenden konstruktionsanforderungen und einsatzgebieten zurückverfolgen. so reichen die urspünge der tjalk über 400 jahre zurück. damals noch aus holz gebaut und mit einem sprietsegel getakelt. aus dem sprietbaum wurde die gaffel, das holz wurde durch stahl ersetzt. es war und blieb aber auch über die jahrhunderte immer ein reines arbeitsschiff, bei dem die einfachheit in form und handhabung ausschlaggebend war.

der faszination der braunen segel am horizont kann sich kaum einer entziehen. viele liebhaber der historischen schiffe haben diese mit handwerklichem geschick und dem Sinn für details in vielen arbeitsstunden und mit viel geldeinsatz restauriert und wieder zum Leben erweckt. nicht ohne stolz zeigen die eigner ihre aufwendig sanierten schiffe auf den maritimen events und laden auch gerne gäste ein. geniessen Sie einige impressionen von diesen veranstaltungen an der ostseeküste. ob segler oder nichtsegler, lassen Sie sich von dem ambiete und der alten seefahrerromantik einfangen.